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Das ALTERNATIVE Projekt wird durch das 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union finanziert. Es ist als Forschungsprojekt mittlerer Größenordnung in den Bereichen ‚Sicherheit und Gesellschaft – Ethik und Gerechtigkeit – Konfliktbearbeitung und Mediation’ angesiedelt. Das Projekt hat Anfang 2012 begonnen und endet Anfang 2016.

Der unbefriedigende Stand der Forschungen im Bereich der restorative justice in interkulturellen Kontexten bei gleichzeitiger Annahme von beträchtlichen Potenzialen einer solchen restorative justice für diese Zusammenhänge lieferte den Hintergrund und die Motivation für den Entwurf eines solchen Projektes. Es ist daher das übergreifende Ziel des ALTERNATIVE-Projektes ein alternatives und vertieftes Verständnis von Gerechtigkeit und Sicherheit zu entwickeln, ausgehend von empirischen Daten zu Umgangsweisen mit Konflikten in interkulturellen Kontexten innerhalb von demokratischen Gesellschaften.

Die Forschungstätigkeit versteht sich als Aktionsforschung und sie findet in vier verschiedenen Orten und in je unterschiedlichen Formen von interkulturellen Settings statt: im Wiener Gemeindebau, in einem multi-ethnischen Dorf in Ungarn und in drei in ethnischen Grenzgebieten liegenden Orten in Serbien, und schließlich in gemischt-religiösen urbanen Nachbarschaften in Nord-Irland.
Insgesamt sollen in dem Projekt Prinzipien und Verfahrensweisen der restorative justice als eine Alternative zu konventionellen Wegen der Herstellung und Beförderung von Gerechtigkeit und von Sicherheit erforscht und erprobt werden.
Das Potenzial der restorative justice in diesen interkulturellen Settings, liegt  in der Beförderung der aktiven Teilnahme der BürgerInnen/BewohnerInnen an Verfahren der Konfliktbearbeitung, in der Schaffung von Möglichkeiten einer unmittelbaren Begegnung und Auseinandersetzung, in der Einbeziehung von (Kriegs)Opfern als  zentrale Akteure des Dialogs und in der Zusammenarbeit von verschiedenen Agenturen und Institutionen in dem Bemühen um soziale Gerechtigkeit.

Projektziele

1. Die Entwicklung eines kohärenten theoretischen Rahmens als Grundlage und als Ausgangspunkt eines alternativen Verständnisses (alternativer Epistemologien) von Gerechtigkeit und Sicherheit.
2. Die Gewinnung von empirisch anwendbaren Kenntnissen über Konflikte und Konflikttransformation in interkulturellen Settings.
3. Die Entwicklung, Anwendung und Evaluierung konkreter Konfliktbearbeitungsmodelle  in den vier verschiedenen interkulturellen Settings – basierend auf einem alternativen Verständnis von Gerechtigkeit und Sicherheit und unter Benutzung bestehender Modelle der restorative justice.
4. Die Analyse der Ergebnisse aus den vier verschiedenen Aktionsforschungen, deren Vergleich sowie schließlich die Weiterentwicklung des Wissens durch die Integration von empirischen und theoretischen Erkenntnissen.

Projektstruktur und Methodologie

• Es gibt drei theoretische Arbeitspakete, die sich mit den alternativen Epistemologien von Gerechtigkeit und von Sicherheit befassen, mit Konflikten und Konfliktbearbeitung und schließlich mit restorative justice und ihrer Anwendung und Bedeutung in einem europäischen Kontext.
• Dazu kommen die vier Aktionsforschungssettings:
1/ auf der Mikro-Ebene: alltägliche Konflikte zwischen alteingesessenen (Alt-Wiener) BewohnerInnen  und BewohnerInnen mit Migrationshintergrund im Wiener Gemeindebau (Österreich)
2/ auf der Meso-Ebene: Konflikte in einem Dorf mit EinwohnerInnen, die der Gruppe der Roma angehören und anderen EinwohnerInnen. (Ungarn)
3/ auf der Meso/Makro-Ebene: interethnische Konflikte in drei multi-ethnischen und multi-kulturellen Regionen, das heißt Konflikte zwischen SerbInnen und KroatInnen, SerbInnen und AlbanerInnen, MuslimInnen und orthodoxen ChristInnen. (Serbien)
4/ ebenfalls auf der Meso/Makro-Ebene: a. ‚Inter-Sectarian‘ (religiöse) Konflikte innerhalb einer Community; b. Konflikte zwischen  alteingesessenen BewohnerInnen und neu zugezogenen ImmigrantInnen; und c. Konflikte zwischen einer lokalen Community und lokalen Jugendgangs. (Nord-Irland)

• Schließlich die vergleichende Analyse der empirischen Ergebnisse der vier Aktionsforschungssettings.

Die Verbreitung der Forschungsergebnisse wird als ein zyklischer Prozess verstanden und geplant. Er besteht aus der Diskussion, der Adaption und erneuten Anwendung der erprobten und veränderten Modelle, gefolgt von weiterer Diskussion. Die Ergebnisse aus diesem Projekt sind deshalb nicht als feststehend und statisch zu verstehen, sie stellen ein Set von Materialien dar, die weiter benutzt und weiter verändert werden sollen; Prozesse fortlaufender reflexiver Entwicklung stellen daher das wichtigste ‚Resultat‘ dieses Forschungsprojekts dar.

Projektpartner:

Katholische Universität Leuven, Belgien
Norwegisches Sozialforschungs-Institut
EFRJ
Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie
Foresee Forschungsgruppe
Viktimologische Gesellschaft Serbien
Universität Ulster
Weitere Information: katrin.kremmel@irks.at
Auf europäischer Ebene: inge.vanfraechem@law.kuleuven.be